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Hier bin ich.

  • Autorenbild: Maurice Ghaedi Bardehei
    Maurice Ghaedi Bardehei
  • 18. Juli
  • 2 Min. Lesezeit

SIANO



Ich habe gestern wieder etwas zum ersten Mal gemacht.

Ich hatte einen Spieleabend in meiner Wohnung mit Freunden.

Es waren einzelne Freunde aus verschiedenen Bereichen und Zeiten meines Lebens. Gestern habe ich sie einfach zusammengeführt. Wir haben Raclette gegessen und das Spiel „Darf ich Dich das fragen?“ von Matze Hielscher von Hotel Matze gespielt. Wenn du das nicht kennst, schau es dir unbedingt einmal an.

Wir saßen auf meiner Terrasse und meine Freunde, die sich vorher überhaupt nicht kannten, haben sich sofort verstanden. Es wurde ein richtig schöner, tiefgründiger Abend. Nicht zuletzt wegen dem Spiel. Einer dieser Abende, an denen man sich näher kommt. Jeder hatte etwas zu essen oder zu trinken mitgebracht und wir hatten einfach Spaß. Wir stellten uns gegenseitig Fragen aus dem Spiel und das führte zu so vielen Gesprächen. Perfekt um sich schnell kennenzulernen.

Aber weshalb erzähle ich das?

Weil es für mich nicht nur das erste Mal war, so etwas zu machen.

Ich habe also etwas verändert. Oder eine Grenze überwunden. Nein, sogar beides.

Ich habe etwas erlebt, womit ich überhaupt nicht gerechnet habe. Dieses Gefühl dabei und danach.

In den Grenzen meiner Kindheit konnte ich nie richtig loslassen. Ich musste immer Kontrolle haben.

Wer ist da in meiner Wohnung?

Wie gehen sie mit meinen Sachen um?

Geht da oder könnte da etwas kaputtgehen?

Es waren immer dieselben Gedanken.

Das war Stress.

Also habe ich es lieber gelassen.

Und nun ist was passiert.

Mein Verhalten verändert sich. Nicht erst seit gestern. Eigentlich schon seit einigen Jahren.

Ich schaue heute in mich hinein und sehe zum ersten Mal, wer ich wirklich bin.

Nicht der Menschen, den andere auf meinem Weg gesehen haben.

Nicht der Menschen, der durch Umstände entstanden ist.

Sondern den, der die ganze Zeit darunter lag. Der nie sein zum Vorschein kommen durfte.

Ich bin nun schon einige Jahre in Therapie.

Ich habe viel gearbeitet.

Viel überwunden.

Vor allem aber viel gefunden.

Und jetzt ist klar.

Ich bin SIANO.

Nun fragst du dich aber sicher zurecht:

Aber warum SIANO?

Der Mensch, der mich in meinem jungen Leben am meisten geprägt hat, war meine Uroma.

Meine Uroma war eine geborene Zachariä. Später heiratete sie und trug den Namen SIANO.

Mit dem Tod meiner Uroma hab ich angefangen zu straucheln.

Wann immer es in meinem Leben Probleme gab oder es nicht mehr weiterging, gab es dieses eine Passbild.

Bis heute.

Es liegt in meiner Brieftasche.

Ich schaue darauf und plötzlich wird es ruhig.

Kein Straucheln.

Kein Zweifeln.

Nur ihre Worte.

"Du bist etwas Besonderes."

"Du wirst einmal studieren oder etwas ganz Großes bewegen."

Und bis heute komme ich damit aus jedem noch so dunklen Loch wieder heraus.

Deshalb ist SIANO für mich kein Künstlername.

Dieser Name ist für mich eine Form meiner Existenz.

Er gibt mir Kraft.

Er erinnert mich jeden Tag daran, wer ich sein möchte.

Das ist mein Erbe.

Und das ist meine Pflicht.

So wie ich es auch in meinem Song „Ungeweint“ besinge.

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