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Auftakt der Fabelworkshops zur 300-Jahrfeier von Justus Friedrich Wilhelm Zachariae

  • Autorenbild: Maurice Ghaedi Bardehei
    Maurice Ghaedi Bardehei
  • 8. Mai
  • 3 Min. Lesezeit

In den vergangenen Wochen durfte ich die ersten Schulen im Rahmen der Fabelworkshops zur 300-Jahrfeier von Justus Friedrich Wilhelm Zachariae besuchen. Schon jetzt kann ich sagen, dass diese Begegnungen viele Eindrücke hinterlassen haben – nicht nur bei den Schülerinnen und Schülern, sondern auch bei mir selbst.

Jede Schule, jede Klasse und jede Gruppe brachte ihre ganz eigene Ausgangssituation mit. Dabei ging es nicht nur um unterschiedliche Interessen oder verschiedene Dynamiken innerhalb der Klassen, sondern auch um ganz unterschiedliche Wissensstände. Manche Schülerinnen und Schüler wussten bereits, was eine Fabel ist, hatten vielleicht sogar schon von Zachariae gehört oder waren im Vorfeld auf den Workshop vorbereitet worden. Andere begegneten dem Thema völlig neu und ohne jede Vorinformation.

Und genau darin lag etwas sehr Spannendes.

Denn obwohl die Ausgangslagen teilweise kaum vergleichbar waren, zeigte sich überall etwas sehr Wichtiges: Wenn junge Menschen ernst genommen werden, wenn man ihnen etwas zutraut und sie fordert, entsteht beinahe immer Bewegung. Ich habe in allen Schulen Wertschätzung erlebt – oft leise, manchmal neugierig, manchmal vorsichtig und manchmal voller Begeisterung. Aber immer dann, wenn man gemeinsam gearbeitet hat und die Schülerinnen und Schüler gemerkt haben, dass ihre Gedanken, Ideen und Beobachtungen wirklich zählen, entstanden plötzlich Kreativität, Mut und Ausdruck.

Besonders deutlich wurde dabei auch, wie wichtig die Rolle der Lehrerinnen und Lehrer ist. Dort, wo Klassen bereits wussten, dass der Workshop stattfinden wird, wo vorab erklärt wurde, worum es gehen soll, wer Justus Friedrich Wilhelm Zachariae war und was eine Fabel überhaupt ausmacht, konnten wir viel schneller gemeinsam in die kreative Arbeit eintauchen. Die Schülerinnen und Schüler hatten einen ersten Zugang, konnten Fragen stellen und mussten nicht erst „abgeholt“ werden, bevor die eigentliche Arbeit beginnen konnte.

Das bedeutete nicht, dass andere Workshops weniger gelungen gewesen wären – ganz im Gegenteil. Oft entstanden gerade aus Überraschung und Spontanität sehr besondere Momente. Trotzdem wurde deutlich, wie sehr Vorbereitung Räume öffnen kann. Nicht als Druck, sondern als Einladung.

Gemeinsam haben wir Fabeln entwickelt, Figuren erschaffen, Konflikte beobachtet und gesellschaftliche Themen verarbeitet. Manche Gruppen arbeiteten ruhig und bedacht, andere voller Energie und Lautstärke. Und dennoch hatte ich immer wieder das Gefühl, dass wir gemeinsam etwas bewegen konnten.

Besonders beeindruckt hat mich dabei, wie viele Talente in unseren Schulen schlummern. Junge Menschen, die schreiben können, ohne zu wissen, dass sie Talent besitzen. Schülerinnen und Schüler, die fantastische Bilder im Kopf haben, die mutig denken, kluge Fragen stellen oder plötzlich anfangen, über Gesellschaft, Zusammenhalt und Verantwortung nachzudenken. Manche davon laut und sichtbar, andere eher leise und zurückhaltend.

Einige Schülerinnen und Schüler hatten am Ende der Workshops noch viele Fragen, die wir zeitlich leider nicht mehr geschafft haben. Das hat mir gezeigt, wie groß das Interesse teilweise wirklich war. Deshalb möchte ich versuchen, einige dieser offenen Fragen im Nachgang noch aufzugreifen und Möglichkeiten zu schaffen, miteinander weiter ins Gespräch zu kommen.

Was mich aus diesen ersten Workshops besonders begleitet, ist eine Erkenntnis, die eigentlich sehr einfach ist:

Junge Menschen brauchen nicht immer nur Unterhaltung. Sie brauchen Vertrauen. Sie wollen ernst genommen werden. Und oft wachsen sie genau in dem Moment über sich hinaus, in dem jemand an sie glaubt und ihnen etwas zutraut.

Vielleicht liegt genau darin auch die kleine Moral dieser bisherigen Reise:Wer junge Menschen nur beschäftigt, wird kurze Aufmerksamkeit bekommen. Wer sie aber ernst nimmt, kann etwas in Bewegung setzen, das weit über einen einzigen Workshop hinausgeht.


 
 
 

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